Friederike Klein

Wissenschaftliche Fachkommunikation

OP mit SARS-COV-2-Infektion ist sehr riskant

7. April 2020. Ältere und Krebspatienten, die sich rund um eine Operation eine SARS-CoV-2-Infekition zuziehen, haben ein erheblich erhöhtes Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach der OP zu versterben. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) fordert, darauf zu reagieren.

In der ersten COVID-19-Welle im Frühjahr 2020 haben sich rund um eine Operation 0,6-1,6% der Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion angesteckt. Das hatte laut Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen, Vizepräsident der DGCH aus Frankfurt am Main, in allen Altersgruppen einen deutlichen Effekt auf das Risiko der Patienten, nach der OP Komplikationen zu entwickeln und zu versterben. Der Effekt war umso ausgeprägter, je älter die Patienten waren. Schmitz-Rixen nannte für 70-Jährige eine 7- bis 8-fach erhöhte 30-Tage-Sterblichkeit gegenüber Gleichaltrigen ohne SARS-CoV-2-Infektion. Bei Patienten, die aufgrund einer Krebserkrankung operiert wurden, stieg die Sterblichkeit bis auf 18,6% an. Das sei  für die meisten OPs ein Bereich, der nicht erreicht werden darf, betonte Schmitz-Rixen.

Die Daten stammen aus der COVIDSurg Collaborative-Initiative, die von Birmingham ausging. Weltweit haben sich 15.000 Ärzte an 1.667 Kliniken in 116 Ländern beteiligt – auch aus Deutschland. Die Daten von mehr als 141.000 Patienten liefern nun wichtige und reliable Daten, sagte Schmitz-Rixen. Eigentlich hatte die DGCH im Frühjahr 2020 auch hierzulande gefordert, es müsse Begleitforschung zu den Lockdown- und Schutzmaßnahmen der Regierung gemacht werden. Das stieß aber leider im Bundesgesundheitsministerium auf taube Ohren, berichtete er. Gut, dass in Großbritannien mehr möglich war.

Die DGCH empfiehlt auf Basis dieser Daten und der Impfergebnisse in Israel:

  1. Patienten sollten vor einem größeren chirurgischen Eingriff geimpft werden. Wenn möglich, sollte dann der Eingriff um 2 oder 4 Wochen verschoben werden.
  2. Die Priorisierung der SARS-CoV-2-Impfungne muss überdacht werden. Aktuell sind Krebspatienten in der Priorisierungsgruppe 2 – damit sind noch lange nicht alle geimpft. Die meisten Patienten vor OP gehören aber zur Priorisierungsgruppe 3 – hier wurde die Ständige Impfkommission (STIKO) bereits gebeten, diese Patienten höher zu priorisieren. Bestätigt sieht sich Schmitz-Rixen durch die Feststellung des Robert-Koch-Instituts (RKI), dass eine komplette Impfung besser ist als die Testung!
  3. Bei Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion – auch bei hoher Viruslast ohne oder nur mit milden Symptomen sollte ein größerer operativer Eingriff um 6 bis 7 Wochen verschoben werden, wenn irgend möglich. In den ersten Wochen nach Infektion ist die Sterblichkeit nach einer OP um das 4fache erhöht.

Quelle: Online-Pressekonferenz anlässlich des 138. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) DCK 2021 DIGITAL, 7. April 2021, 10.30 bis 12.00 Uhr

Autor: FK

Diplom Biologin, Wissenschafts- und Medizinjournalistin und Redakteurin

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